„Ich bin jemand, der nach Lösungen sucht“

veröffentlicht 10.07.2026 von Christian Weise, Dekanat Rheingau-Taunus

Petra Szameit ist als ehrenamtliche Vorsitzende das Gesicht der Gesamtkirchengemeinde Mittlerer Untertaunus

[Aarbergen, Hohenstein, Hünstetten, Idstein, Taunusstein; 10.07.2026; cw] Seit dem 1. Januar ist Petra Szameit Vorsitzende der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Mittlerer Untertaunus (MUT). 126 Quadratkilometer, 24 Dörfer und 18 Gottesdienstorte gehören zur Gesamtgemeinde mit knapp 7.000 Evangelischen Kirchenmitgliedern. 13 Menschen sitzen im Kirchenvorstand. Neben ihrem Vollzeitjob als Grundschullehrerin ist sie zudem auch noch Prädikantin und jetzt eben Vorsitzende – ehrenamtlich. „Mehr Hobbys habe ich nicht,“, sagt sie lachend. 

Die Aufgabe als Vorsitzende ist durchaus herausfordernd. Aktuell gilt es die Finanzsituation der Gesamtkirchengemeinde festzustellen, Sanierungsbedarfe zu erkennen und zu planen sowie den Ortsgemeinden ihre Budgets zuzuteilen. „Mich reizt an der neuen Aufgabe, dass wir viel ausprobieren können. Gesamtkirchengemeinde, das hat vor uns noch niemand gemacht, es gibt keine großen Spuren, in die ich hineintreten muss“, erklärt Szameit ihr Engagement. Ihr Amt hat sie zunächst für eineinhalb Jahre angetreten. Im Juni 2027 finden in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Wahlen zu den neuen Kirchenvorständen statt, „zu der ich auch wieder antreten werde“, sagt sie voller Elan. 

Szameit erlebt in der Gemeinde eine sehr große Wertschätzung gegenüber den Ehrenamtlichen. Und auch mit dem hauptamtlichen Verkündigungsteam habe man es „echt gut getroffen“, betont sie. Zum Team gehören Gemeindepädagogin Renate Feick, die Pfarrer Tim Fink und Jürgen Schweitzer sowie die Pfarrerinnen Manuela König, Petra Dobrzinski und Agnes Schmidt-Köber. Petra Szameit ist seit 2022 ausgebildete Prädikantin und hält – nicht nur in MUT – Gottesdienste. „Auch bei der Verkündigung arbeiten wir auf Augenhöhe“, sagt sie anerkennend.

Neues Gottesdienstkonzept für die Region

Ende letzten Jahres hat die Gesamtkirchengemeinde ein neues Gottesdienstkonzept erarbeitet. „Mit weniger Gottesdiensten in der Grundversorgung, aber dafür mehr Spielraum für neue Formate“. Bei der Auswahl der Gottesdienste habe man auf unterschiedliche Tageszeiten und Wochentage geachtet und darauf, dass für die unterschiedlichen Bedürfnisse etwas dabei ist. „Wir erleben, dass das Konzept aufgeht“, freut sie sich. So seien zum ersten Gottesdienst der Sommerkirche Menschen aus der ganzen Region gekommen und auch anschließend noch zu Kaffee, Kuchen und Gesprächen dageblieben. 

Petra Szameit kam im Jahr 2000 aus Essen in den Untertaunus nach Aarbergen. „Das war zunächst ein Kulturschock“, gibt sie zu. Schon früh wurde sie gefragt, ob sie sich vorstellen könne, im Kirchenvorstand mitzuwirken. Später war die gelernte Religionspädagogin – gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Stefan Comes – verantwortlich für den Konfirmandenunterricht. Danach machte sie die Ausbildung erst zur Lektorin und dann zur Prädikantin. Als Vorsitzende hat sie den Anspruch, ansprechbar für die Menschen in der Region zu sein. Aus diesem Grund fährt sie fast jede Woche an einen anderen Ort zum Gottesdienst, stellt sich vor, beteiligt sich an der Liturgie und steht den Besucherinnen und Besuchern anschließend für Fragen und zum Gespräch bereit. „Die Leute sollen ein Gesicht zur Gesamtkirchengemeinde haben“, erklärt sie. Dass sie Prädikantin ist und Gottesdienst hält, Kinder tauft und Beerdigungen macht, sei für sie eine sehr gute Abwechslung vom Alltag als Vorsitzende, in der sie auch viel mit Verwaltung, Zahlen und Daten zu tun habe. 

Engagement für die Gesellschaft gehört für Szameit zum Christ-Sein dazu 

Auf die Frage, warum sie das alles mache, antwortet sie: „Es gehört für mich zum Christ-Sein dazu, mich einzubringen und mich zu engagieren.“ Ihre Familie sei seit jeher in Kirche eingebunden, sei es im Kindergottesdienst-Team, dem Frauenchor oder der Männergruppe. 

Der zeitliche Aufwand des Amtes betrage mehrere Stunden pro Woche, erklärt sie. Manchmal ist sie überrascht, wie viel Raum alleine die Vorbereitung und Nachbereitung von Sitzungen einnehmen. Einmal in der Woche ist sie im zentralen Gemeindebüro in Strinz-Trinitatis bei den Verwaltungskräften: „Ich staune immer wieder, wie viele Unterschriften Kirche braucht“, sagt sie schmunzelnd. „Aber es macht mir Spaß. Alles ist neu, ja auch anstrengend, aber es ist so etwas wie eine Entdeckertour.“ Das bereite ihr große Freude, die man ihr sofort abspürt. 

„Ich bin jemand, der nach Lösungen sucht“, sagt Szameit. „Kirche lebt vom Mitmachen und das macht Spaß. Ich versuche aus allem das Beste zu machen“, sagt sie fröhlich. Derzeit arbeitet sie mit ihrem Gremium daran, wer die Gesamtkirchengemeinde künftig für die Region sein möchte. Welche Aufgaben, auch in und für die Gesellschaft, man als Evangelische Kirche wahrnehmen wolle. Deshalb ist Szameit innerkirchlich und außerkirchlich viel unterwegs in vielen Gesprächen. Und immer wieder erlebt sie diese Momente, in denen sie denkt: „Es lohnt sich!“ Aus dieser Zuversicht füllt sie ihr Amt und schaut auch positiv in die Zukunft, wenn es gilt, Kandidierende für den künftigen Kirchenvorstand zu finden, sei es Menschen mit Sachverstand für Finanzen oder Bau oder eben den inhaltlichen Aufgaben einer großen Gesamtkirchengemeinde.