Dabei machte er deutlich, dass er keine universellen Ratschläge geben könne und man keinen „Chaka-Vortrag, jetzt wird alles gut“ erwarten dürfe. Stattdessen erzählte er aus seiner Perspektive: Als ehemaliger Stuntman und Leistungsturner, der es bis in die 2. Bundesliga schaffte, dem bereits mehrere Angebote für Stipendien vorlagen, brach er sich 2010 bei der Sendung „Wetten, dass…? “ die Halswirbelsäule viermal und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. „Alles, was ich geplant hatte, hing von Bewegung ab“, sagte er. Seine Biografie beschrieb er als die eines Menschen, der vom Beweglichen zum Unbeweglichen wurde.
Zum Thema Resilienz skizzierte Koch drei Phasen: Reagieren, Akzeptieren und schließlich Agieren. „Ich versuche, zufrieden zu sein, ohne mich zufriedenzugeben. Das ist mein Aggregatzustand“, erklärte er. Akzeptanz sei die Grundlage jeder Resilienz, unabhängig vom Modell. erklärte Koch, der als Schauspieler an den Münchener Kammerspielen ein Engagement hat.
Mit Passagen aus seinem Buch „Schwerelos“, begleitet von Dekanatskantor Carsten Koch am Flügel, zog er die rund 150 Gäste aus Kirche, Wirtschaft und Politik in seinen Bann. Eine seiner Erzählungen diente als Lebensmetapher: Ein Mensch plant eine Reise nach Italien, lernt die Sprache, packt die Koffer – und landet in Holland. „Wer immer Italien nachtrauert, sieht nie, was Holland zu bieten hat. Ich habe in meinem Holland ein italienisches Restaurant eröffnet“, sagte Koch schmunzelnd.
Er berichtete auch von seinem ersten eigenständigen Atemzug nach dem Unfall, als er auf einem Balkon die eisige Bergluft spürte. „Am Tiefpunkt meines Lebens musste ich grinsen“, erinnerte er sich. Zum ersten Mal empfand er tiefe Dankbarkeit für die Schönheit der Schöpfung. Trotz Schmerzen habe er inneren Frieden gefunden. „Es gibt immer die Möglichkeit zur Freude“, sagte er und zitierte Friedrich Nietzsche: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Deshalb halte er an der Zukunftsfreude fest. Koch sprach offen über seine Gottesbeziehung. In seinen Nöten habe er zu Gott geschrieben, der ihm Halt und Sinn gebe. „Wenn etwas im Körper nicht funktioniert, wendet man sich an den Hersteller“, beschrieb er sein Gebet. Immer wieder zitierte er den Kernsatz aus dem Neuen Testament: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. “
Er erinnerte sich an den Moment, als er sich nach dem Unfall im Spiegel sah und sein Selbstwertgefühl komplett zerbrach. Das Gefühl der Nutzlosigkeit habe ihn überwältigt. „Der Duden kennt für Nützlichkeit nur ein Wort: Wert. Demnach ist man nur nützlich, wenn man etwas wert ist“, sagte er. Heute fühle sei er ein klarer, fröhlicher und wertvoller Mensch. „Mein Wert hängt nicht von meiner Nützlichkeit ab“, betonte er. Sein Vater, ein gläubiger Christ, habe ihm früh vermittelt: „Ich liebe dich, weil du bist. “
Der Wert eines Menschen, so Koch, hänge nicht von Tun oder Haben ab. „Ich bin wertvoll, weil ich bin.“ Im Englischen drücke das Wort „human being“ dies treffender aus. „Ich denke mir bei meinem Gegenüber: So sieht ein Mensch aus, den Gott liebt, auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann“, so Koch. „Unsere Aufgabe ist es, überall dort zu helfen, wo das nicht geschieht.“
Daraus folgt für alle Menschen: „So sieht ein Mensch aus, den Gott liebt, auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann. Es ist unsere Aufgabe überall da zu helfen, wo das nicht geschieht“, sagt Samuel Koch anschließend zu den Engagierten in Kirche, Diakonie und Politik im Saal.
Helfen sei eine der besten Ressourcen auch aus Neurophysiologischer Sicht. Als Beispiel erzählte er wie er in Italien mit einem Wasserrollstuhl im Meer umkippte und unterging. Ein Mann schwamm herbei und rettet ihn. Auf Kochs Dank hin reagierte dieser mit den Worten: „No problem, I am happy, when I can help.“
Koch, der kürzlich Vater geworden ist, erinnerte daran, dass es über 3.000 Krankheitsdiagnosen gebe. „Da ist es ein Wunder, wenn man gesund ist.“ Was ihm im Leben stets helfe, sei Hoffnung. „Ich hoffe trotz allem, dass ich eines Tages mal laufen kann“, sagte Koch. Dass ich dann rausgehen kann, mich gegen einen Baum lehnen kann, ihm einen Teil meines Gewichtes geben kann und mich hinsetzen - nur um des Hinsetzen willens.“
Das Publikum dankte es ihm mit minutenlangen stehenden Ovationen. „Das war zauberhaft“, „der beste Jahresempfang“, „tief bewegend“, so lauteten einige Reaktionen.