Kinderheim galt als „Haus des Schreckens“
Das Ehepaar von Hentig hatte zentrale Bereiche eines Hilfsprojekts vorangebracht, das bereits 1990 durch Pfarrer Hanns-Ulrich Becker für das Evangelische Dekanat Bad Schwalbach ins Leben gerufen worden war. Das damalige Kinderheim galt bis 1990 als „Haus des Schreckens.“ Im Jahr 1996 begann das "Gartenbauprojekt" in Badacin. Grund dafür war die Notwendigkeit die einseitige Ernährung der Kinder und Jugendlichen im Badaciner Heim aufzubessern. Unter fachlicher Leitung des Rüdesheimer Ehepaars Ingrid und Wolf - Uwe von Hentig erfolgte die Schulung einiger der damals etwa 60 erwachsenen Hilfskräfte sowie von arbeitsfähigen Jugendlichen in gärtnerischen Tätigkeiten, wie Aussäen, Pikieren, Topfen, Vorbereiten der Beete, Auspflanzen, Pflege- und Erntearbeiten usw.
Im Laufe von vielen Jahren entstand so eine leistungsfähige Gemüsegärtnerei, die jährlich von gut 20 Gemüsearten bis zu 8000 kg Erntegut produzieren konnte. Damit wurde der Frischgemüsebedarf der behinderten Jugendlichen und Mitarbeiter abgedeckt.
„Wunder von Badacin“
Mit dieser Schlagzeile hatte eine rumänische Zeitung bereits 1994 die äußerst positive Entwicklung des Kinderheimes durch die Unterstützung der „Rumänienhilfe des Evangelischen Dekanats Bad Schwalbach““ auf den Punkt gebracht. Ingrid und Wolf-Uwe von Hentig hatten dann mit dem Gartenbauprojekt seit 1996 großen Anteil daran, dass das Erreichte vertieft, ausgebaut und nachhaltig abgesichert wurde.
Für ihr Engagement und ihre „Lebensleistung“ wurde das Ehepaar 2018 auf Antrag des Evangelischen Dekanats Rheingau-Taunus mit dem hessischen Verdienstorden ausgezeichnet. Das, was einmal als „Haus des Schreckens“ bezeichnet worden sei, wurde so zu einem ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche unter menschenwürdigen Bedingungen leben können, hieß es in der Laudatio. „Es ist Ihnen zu verdanken, dass es ein Wunder geblieben ist“, betonte Pfarrer Hanns-Ulrich Becker sein damals an das Ehepaar gerichtete Grußwort. „Wo Sie gepflanzt haben, im übertragenen und im direkten Sinn, haben Sie die Welt zum Wachsen und Blühen gebracht“, drückte es die ehemalige Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper aus.
Bis ins hohe Alter fuhr das Ehepaar von Hentig mehrmals im Jahr mit Material (Saatgut etc.) nach Rumänien. Das Gartenbauprojekt wurde von der Europäischen Union als „als beispielhaft für ähnliche Einrichtungen“ in der Region eingestuft.
Die Beerdigung von Prof. Wolf-Uwe von Hentig ist am Donnerstag, den 21.Mai um 14:30 Uhr auf dem Friedhof Geisenheim.
Vita von Wolf-Uwe von Hentig
Wolf-Uwe von Hentig wurde am 30. April 1928 in Berlin geboren. 1967 bis 1993 war er als Leiter des Fachgebiets Zierpflanzenbau and der Forschungsanstalt Geisenheim tätig. In den 70erJahren beschäftigte er sich insbesondere mit der Optimierung der vegetativen Vermehrung. Viele der von ihm entwickelten Methoden, wie bei der Vermehrung von Begonien und Streptocarpus, haben nach wie vor Gültigkeit in der Praxis. Das Ehepaar von Hentig lebte und arbeitete viele Jahr ein Australien. Von 1978 bis 1982 war er Vorsitzender der Sektion Zierpflanzenbau der International Society of Horticultural Science (ISHS).
Als Berater der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ sowie später des Senioren Experten Service, SES, begleitete von Hentig über viele Jahrzehnte Projekte zum Zierpflanzenbau in Entwicklungsländern, so z.B. in Jamaica und Ostafrika